Bei manchen Berufen sind die Arbeitnehmer weitaus größeren Risiken ausgesetzt als bei anderen. Bauarbeiter arbeiten in der Höhe und in der Nähe von in Bewegung befindlichen Maschinen. Fahrer verbringen viele Stunden auf der Straße, während Landwirte und Arbeiter in der Fertigung regelmäßig in der Nähe von leistungsstarken Maschinen arbeiten.
Doch die Ermittlung des gefährlichsten Berufs der Welt ist nicht so einfach wie ein Vergleich der Todesfallraten. Die Länder verwenden unterschiedliche Definitionen und Meldesysteme, weshalb es keine verlässliche weltweite Rangliste gibt.
Die neuesten internationalen und europäischen Daten weisen durchweg auf dieselben Hochrisikobranchen hin: Bauwesen, Verkehr, Landwirtschaft, Forstwirtschaft, Fischerei und verarbeitendes Gewerbe. Allerdings lässt sich das Risiko nicht allein anhand der Berufsbezeichnung bestimmen. Der gefährlichste Teil einer Tätigkeit ist oft ein bestimmter Moment, in dem sich die Bedingungen, der Druck oder die Aufmerksamkeit ändern.
Nach den neuesten verfügbaren Statistiken sind gefährliche Berufe vor allem in folgenden Bereichen anzutreffen:
Beschäftigte in diesen Branchen sind regelmäßig Fahrzeugen, schweren Maschinen, herabfallenden Gegenständen, Arbeiten in der Höhe, gefährlichen Stoffen und wechselnden Umgebungsbedingungen ausgesetzt.
Zu den besonders risikoreichen Berufen in diesen Branchen zählen Bauarbeiter, Dachdecker, Landarbeiter, Berufskraftfahrer, Fischereiarbeiter, Forstarbeiter, Maschinenbediener, Bergleute und Müllabfuhrmitarbeiter.
Die genaue Rangfolge variiert je nach Land. Die Risiken sind jedoch bemerkenswert einheitlich.
Das weltweite Ausmaß arbeitsbedingter Gesundheitsschäden geht weit über die unmittelbar sichtbaren Arbeitsunfälle hinaus.
Nach Angaben der Internationalen Arbeitsorganisation:
Die meisten arbeitsbedingten Todesfälle sind eher auf Berufskrankheiten als auf plötzliche Unfälle zurückzuführen. Dazu zählen Krebserkrankungen, Herz-Kreislauf-Erkrankungen und Atemwegserkrankungen, die mit der Exposition am Arbeitsplatz in Zusammenhang stehen.
Unfälle sind dennoch nach wie vor eine der Hauptursachen für vermeidbare Todesfälle, insbesondere bei Tätigkeiten im Zusammenhang mit Fahrzeugen, Maschinen, Arbeiten in der Höhe und körperlich anstrengenden Aufgaben.
Quellen: Statistiken der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO) zu Sicherheit und Gesundheitsschutz am Arbeitsplatz sowie globale Schätzungen der ILO.
Die neuesten Eurostat-Daten ermöglichen einen einheitlicheren Vergleich innerhalb der Europäischen Union.
Im Jahr 2023 verzeichnete die EU:
Auf vier Branchen entfielen 66,8 % aller tödlichen Arbeitsunfälle in der EU.
Auf das Baugewerbe entfiel fast ein Viertel aller tödlichen Arbeitsunfälle in der EU. An zweiter Stelle stand das Verkehrs- und Lagerwesen, gefolgt vom verarbeitenden Gewerbe sowie der Land- und Forstwirtschaft und der Fischerei.
Diese Ergebnisse bedeuten nicht zwangsläufig, dass ein einzelner Bauarbeiter das höchste persönliche Risiko trägt. Die Zahlen zeigen, wo sich tödliche Unfälle konzentrieren. Auch die Größe der Branche, die Zahl der Beschäftigten und die geleisteten Arbeitsstunden wirken sich auf die Gesamtzahl der Unfälle aus.
Quelle: Eurostat-Statistik zu Arbeitsunfällen.
Tödliche Unfälle zeigen nur einen Teil der Realität. Millionen von Arbeitnehmern erleiden zudem Verletzungen, die zu Arbeitsausfällen, langfristigen Gesundheitsproblemen oder dauerhafter Erwerbsunfähigkeit führen.
Im Jahr 2023 entfielen die größten Anteile der nicht tödlichen Arbeitsunfälle in der EU auf vier Branchen:
Im verarbeitenden Gewerbe war der Anteil der Unfälle ohne tödlichen Ausgang am höchsten, obwohl im Baugewerbe mehr Todesfälle zu verzeichnen waren.
Auch die Art der Verletzungen variiert je nach Branche. Im verarbeitenden Gewerbe betrafen 52,3 % der Unfälle ohne tödlichen Ausgang die oberen Extremitäten, darunter Hände, Arme und Schultern. Über alle Branchen hinweg entfielen 39,8 % der Verletzungen auf die oberen Extremitäten, während 30 % auf Beine und Füße entfielen.
Diese Unterschiede sind von Bedeutung. In einer Branche kann es zu einer hohen Zahl von Verletzungen kommen, ohne dass dort die höchste Todesfallquote verzeichnet wird. In einer anderen Branche sind zwar weniger Menschen beschäftigt, doch sind diese schwerwiegenderen Gefahren ausgesetzt.
Quelle: Eurostat-Statistiken nach Wirtschaftszweigen.
Todesfallstatistiken zeigen, wo Todesfälle auftreten, aber nicht immer, was unmittelbar vor einem Vorfall geschah.
Das Risiko ist im Laufe eines Arbeitstages nicht konstant. Es kann steigen, wenn sich eine Maschine verklemmt, sich die Wetterbedingungen ändern, eine Schichtübergabe unter Zeitdruck erfolgt oder eine lange Schicht die Aufmerksamkeit beeinträchtigt. Auch eine vertraute Aufgabe kann gefährlicher werden, wenn Produktionsdruck oder eine unerwartete Veränderung den normalen Ablauf stören.
Europäische Daten zeigen zudem, auf welche Weise Arbeitnehmer am häufigsten tödliche Verletzungen erleiden.
In der gesamten EU im Jahr 2023:
Die Ursachen unterscheiden sich je nach Branche erheblich.
Im Bereich Transport und Lagerung entfielen 37,3 % der tödlichen Unfälle auf Zusammenstöße mit beweglichen Gegenständen oder auf Kollisionen.
Im Baugewerbe waren bei 34 % der tödlichen Unfälle Stöße des Arbeitnehmers gegen ein feststehendes Objekt die Ursache. Zu dieser Kategorie zählen viele Unfälle durch Stürze aus der Höhe.
Das sind keine abstrakten Risiken. Häufig geraten Arbeitnehmer dabei in die Schusslinie, bewegen sich in unmittelbarer Nähe von Fahrzeugen, verlieren das Gleichgewicht oder erkennen eine sich verändernde Gefahr nicht rechtzeitig.
Quelle: Eurostat-Statistiken zu Unfallursachen und -umständen.
Vorläufige Zahlen für das Jahr 2025/26 zeigen, dass in Großbritannien 126 Arbeitnehmer bei Arbeitsunfällen ums Leben kamen. Die meisten Todesfälle wurden im Baugewerbe verzeichnet, gefolgt von der Landwirtschaft, dem verarbeitenden Gewerbe und dem Transportwesen.
Die höchste Todesrate verzeichneten jedoch die Land- und Forstwirtschaft sowie die Fischerei mit 8,09 Todesfällen pro 100.000 Beschäftigte. An zweiter Stelle folgte die Abfall- und Recyclingwirtschaft mit 5,47, verglichen mit einem Durchschnitt von 0,37 über alle britischen Branchen hinweg. Diese Zahlen sind vorläufig und können noch revidiert werden. Quelle: Statistiken zu tödlichen Arbeitsunfällen der Health and Safety Executive.
Eine Liste, die angeblich die zehn gefährlichsten Berufe der Welt aufzeigt, mag auf den ersten Blick übersichtlich erscheinen, doch die zugrunde liegenden Statistiken sind selten vergleichbar.
Zu den Unterschieden gehören:
Die Eurostat-Daten basieren auf relativ einheitlichen Definitionen in allen EU-Ländern. Dennoch können Unterschiede in den nationalen Meldesystemen und Versicherungssystemen die Ergebnisse beeinflussen.
Aus diesem Grund konzentrieren sich die glaubwürdigsten internationalen Analysen auf allgemeine Trends, anstatt eine genaue weltweite Rangliste vorzulegen.
Verfahren, Absicherungsmaßnahmen, persönliche Schutzausrüstung und technische Schulungen sind nach wie vor unverzichtbar. Diese Kontrollmaßnahmen werden jedoch von Menschen angewendet, die unter sich ständig ändernden Bedingungen arbeiten.
Müdigkeit, Zeitdruck, Frustration und Routine können die Wahrscheinlichkeit schwerwiegender Fehler erhöhen, wie zum Beispiel:
Das bedeutet nicht, dass den Arbeitnehmern die Schuld gegeben wird. Die Arbeitgeber sind weiterhin für sichere Systeme, geeignete Ausrüstung, eine wirksame Aufsicht und realistische Arbeitsbedingungen verantwortlich.
Schulungen zu menschlichen Faktoren bieten eine zusätzliche Schutzebene, indem sie den Mitarbeitern helfen zu erkennen, wann ihr Zustand oder ihre Umgebung das Risiko erhöhen.
Die Statistiken unterscheiden sich zwar von Land zu Land, doch tauchen immer wieder dieselben Risiken auf: Fahrzeuge, Maschinen, Stürze, sich bewegende Gegenstände und sich ändernde Arbeitsbedingungen.
Technische Kontrollmaßnahmen, sichere Systeme und eine wirksame Aufsicht bilden nach wie vor die Grundlage der Prävention. Schulungen zu menschlichen Faktoren stärken diese Maßnahmen, indem sie den Mitarbeitern helfen zu erkennen, wann Müdigkeit, Zeitdruck, Frustration oder Routine die Wahrscheinlichkeit eines Fehlers erhöhen können.
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